Neue BIPA-Studie in Zusammenarbeit mit der Universität Wien macht Mental Load messbar und zeigt auf, was es für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wirklich braucht.
- Bei Haushalt und Kindern übernehmen Frauen deutlich mehr Verantwortung: vom Einkauf über die Organisation des Familienalltags bis zur emotionalen Betreuung der Kinder.
- Nur zwei Drittel der Frauen in einer Partnerschaft empfinden die Aufgabenverteilung als fair – gegenüber 87 Prozent der Männer.
- Ein Fünftel der Frauen fühlt sich stark belastet, 29 Prozent haben mehrmals pro Woche stressbedingte körperliche Beschwerden.
- Männer und Frauen sind durch tief verankerte Rollenbilder und Ansprüche an sich selbst belastet.
- Die BIPA-Initiative „Ehrlich gesagt“ zeigt, was oft unsichtbar bleibt und bringt Themen wie Mental Load und Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den gesellschaftlichen Diskurs.
Wr. Neudorf, 16. Juni 2026 – Wer am Ende eines langen Tages noch schnell prüft, ob das Kind morgen Sport hat, ob die Stromrechnung bezahlt ist und ob die Großeltern am Wochenende zum Kindergeburtstag kommen, der trägt Mental Load. Die permanente kognitive Verantwortung für andere, für den Haushalt oder für die Familie ist in Österreich weit verbreitet und sie ist ungleich verteilt. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Studie* des Drogeriefachhändlers BIPA, die im Rahmen der Initiative „Ehrlich gesagt" mit wissenschaftlicher Unterstützung durch das Österreichische Institut für Familienforschung (ÖIF) an der Universität Wien durchgeführt wurde.
Die Ergebnisse sind eindeutig: Frauen planen mehr, organisieren mehr, behalten insbesondere bei Haushalt und Kindern mehr im Blick – oft jedoch auch, weil es die eigene Erwartung verlangt bzw. Rollenbilder so tief verwurzelt sind, dass Aufgaben automatisch übernommen werden.
Für
BIPA-Geschäftsführerin Margit Reisinger ist die Studie daher eine wichtige Grundlage, um über Mental Load und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine breitere, öffentliche Debatte anzustoßen: „Es gibt nicht das eine richtige Modell, nach dem Familien oder Paare ihr Leben gestalten sollen. Entscheidend ist aber, dass alle Beteiligten sich dabei wirklich wohlfühlen. Dafür braucht es vor allem Bewusstsein für das, was oft unsichtbar bleibt: die mentale Last, die Planung, die Organisation – und die Tatsache, dass sie häufig ungleich verteilt ist. Wer etwas verändern möchte, soll das auch können – dafür braucht es Unterstützungsangebote und die richtigen Rahmenbedingungen.“
Rollenbilder sind tief verankert – bei Frauen und MännernDie Studie zeigt, dass traditionelle Rollenbilder nicht nur gelebt, sondern auch innerlich akzeptiert werden – und zwar von beiden Geschlechtern. Mehr als zwei Drittel der Österreicher:innen sind der Meinung, dass Frauen besser darin sind, Geburtstage und besondere Anlässe zu organisieren (Frauen: 73%, Männer: 70 %) oder den Familienalltag zu koordinieren (Frauen: 69 %, Männer: 64 %). Dass Männer besser für Reparaturen und technische Aufgaben geeignet sind, glauben knapp 70 Prozent der Männer und 59 Prozent der Frauen.
Dr. Eva-Maria Schmidt, Österreichisches Institut für Familienforschung (ÖIF) an der Universität Wien, forscht seit vielen Jahren zu diesem Thema: „Die Studie wie auch der aktuelle Forschungsstand zeigen eindeutig, dass die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit kein individuelles Problem ist, sondern ein strukturelles – eines, das tief in unserer Sozialisation verwurzelt ist. Frauen und Männer wachsen mit unterschiedlichen Erwartungen auf und schreiben sich selbst und anderen geschlechtsspezifische Verantwortlichkeiten zu, lange bevor sie je bewusst darüber nachgedacht haben.”
Die verinnerlichten traditionellen Rollenbilder zeigen sich auch in der Aufgabenverteilung im Alltag: In österreichischen Haushalten tragen Frauen den Großteil der Care-Arbeit. Bei der Gesundheitsversorgung von Kindern und Angehörigen etwa organisiert mehr als jede zweite Frau (53 %) Arzttermine allein oder überwiegend selbst, bei Männern ist es gerade einmal jeder Fünfte (19 %). Ähnlich sieht es im Haushalt aus: Frauen erkennen häufiger, was zu tun ist – auch wenn andere mithelfen (Frauen: 61 %, Männer: 23 %) und übernehmen deutlich öfter die Hauptverantwortung für Sauberkeit, Ordnung (Frauen: 42 %, Männer: 16 %) und die Organisation besonderer Anlässe (Frauen: 62%, Männer: 15%).
Besonders ausgeprägt ist die Ungleichheit rund um die Kinder – ob bei der Unterstützung beim Lernen (Frauen: 59 %, Männer: 27 %), bei emotionalen Bedürfnissen (Frauen: 53 %, Männer: 11 %) oder Schulterminen (Frauen: 40 %, Männer: 7 %): Hier sind es laut Studie deutlich häufiger Frauen als Männer, die diese Aufgaben übernehmen. Einzig bei Reparaturen und handwerklichen Tätigkeiten dreht sich das Verhältnis um – mit 63 Prozent tragen hier Männer den Großteil der Verantwortung (Frauen: 14%). Was das Ungleichgewicht verbindet: Fast drei Viertel der Befragten (74 %) geben an, bestimmte Aufgaben oft unbewusst und automatisch zu übernehmen, aus Gewohnheit, ohne je wirklich gefragt worden zu sein.
Finanzen: Gleicher Druck, ungleiche VerantwortungRund 7 von 10 Österreicher:innen fühlen sich durch Inflation und steigende Lebenshaltungskosten finanziell spürbar belastet. Fast jede zweite Person (45 %) macht sich regelmäßig Sorgen um die finanzielle Zukunft der Familie – auch nachts oder am Wochenende. Unter berufstätigen Befragten in Partnerschaften gibt mehr als die Hälfte (58 %) an, beruflich nicht kürzertreten zu können, weil die Familie auf ihr Einkommen angewiesen ist. Die Ergebnisse zeigen, Frauen tragen beim Mental Load deutlich mehr, beim finanziellen Druck aber genauso viel wie Männer. Sie schultern damit eine Doppellast.
Bei der Übernahme finanzieller Aufgaben zeigt die Befragung jedoch klare Unterschiede: Den Überblick über die Haushaltsfinanzen hat öfter der Mann – 51 Prozent der Männer geben an, dies alleine oder überwiegend zu übernehmen, gegenüber 38 Prozent der Frauen. Ähnliches gilt für finanzielle Absicherung und Vorsorge (Männer: 48%, Frauen: 31%). Eine weitere Differenz zeigt sich zudem beim Selbstbild: Fast 6 von 10 Männern (59 %) sehen sich primär für das Erwerbseinkommen verantwortlich, bei Frauen ist es gut jede Dritte (36 %). Das Ernährer-Rollen-Narrativ ist damit im Selbstverständnis vieler Männer weiterhin sehr präsent – und spiegelt sich auch in der gelebten Aufgabenteilung wider.
Ungleiche Verteilung sorgt für Konflikte in der PartnerschaftWährend 87 Prozent der Männer die Aufteilung der Planungs- und Organisationsarbeit als fair empfinden, sehen das nur zwei Drittel (66 %) der Frauen so. Diese Wahrnehmungslücke deutet darauf hin, dass Paare in vielen Fällen unterschiedliche Alltagsrealitäten erleben. Dazu passt: 45 Prozent der Befragten in einer Partnerschaft geben an, dass vieles von dem, was sie für den gemeinsamen Alltag organisieren, von der Partnerin oder dem Partner kaum wahrgenommen wird – bei Frauen sind es etwas mehr (53 %). Entsprechend fühlen sich fast die Hälfte der Frauen (47 %) und mehr als ein Drittel der Männer (34 %) zu wenig anerkannt für ihre unsichtbare Arbeit. Das hat Konsequenzen: Jedes dritte Paar berichtet von Konflikten aufgrund der ungleichen Alltagsverantwortung. In der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen ist es sogar mehr als jedes zweite Paar – ein starkes Zeichen dafür, dass jüngere Generationen diese Ungleichheit zunehmend nicht mehr stillschweigend akzeptieren und traditionelle Rollenbilder hinterfragen.
Dr. Eva-Maria Schmidt: „Was diese Studie eindrucksvoll belegt, ist die sogenannte Wahrnehmungslücke zwischen Partnerinnen und Partnern. Mental Load beginnt lange vor der eigentlichen Tätigkeit: Bedürfnisse und Notwendigkeiten antizipieren, Möglichkeiten zur Befriedigung ermitteln, Entscheidungen treffen, Ergebnisse überwachen – das ist kognitive und vor allem emotionale Arbeit, die permanent im Hintergrund läuft, ohne dass sie bewusst, sichtbar oder anerkannt ist. Viele Männer meinen es aufrichtig, wenn sie sich als gleichberechtigte Partner sehen – sie sind sich der unsichtbaren Sorgearbeit allerdings nicht immer bewusst. Hinzu kommt: Auch Männer haben Mental Load, etwa das ständige Denken an die finanzielle Absicherung der Familie. Deshalb braucht es Sichtbarkeit und Awareness für diese Arbeit – nur wenn diese bewusst ist, kann sie fairer verteilt werden.“
Mental Load macht krankEin Fünftel der Österreicher:innen fühlt sich von Alltagsaufgaben stark belastet – darunter vor allem Frauen (25 % gegenüber 14 % der Männer) und Millennials (30 %). Die Belastung hat auch physische Auswirkungen: Ein Viertel der Befragten hat täglich oder mehrmals pro Woche stressbedingte körperliche Beschwerden – bei Frauen ist es fast ein Drittel (29 %). Mehr als jede:r Fünfte (21 %) ist bereits gestresst, wenn er oder sie nur an den nächsten Tag denkt und knapp jede:r Dritte (30 %) fühlt sich erschöpft und hat gleichzeitig das Gefühl, nicht genug geleistet zu haben. Rund 40 Prozent ziehen sich bei Überbelastung zurück, ebenso viele senken ihre Ansprüche – professionelle Unterstützung nehmen jedoch nur 9 Prozent in Anspruch.
BIPA Gesundheitsexpertin Eva Paschinger: „Dass Mental Load real ist und Folgen hat, sehen wir in einer stark zunehmenden Nachfrage nach Produkten zur Stressbewältigung, für besseren Schlaf oder zur Erholung ganz allgemein. Und auch wenn diese das Wohlbefinden unterstützen können, so lösen sie keine unfaire Aufgabenteilung. Wenn fast ein Drittel der Frauen mehrmals pro Woche stressbedingte körperliche Beschwerden hat, müssen wir das ernst nehmen. Mit „Ehrlich gesagt“ wollen wir dem Thema mehr Sichtbarkeit geben: in unseren Filialen, gegenüber unseren Mitarbeiter:innen und als ein Unternehmen, das auch in der Gesellschaft Verantwortung übernimmt.“
Mental Load bremst auch im Beruf – BIPA setzt intern MaßnahmenDie Konsequenzen von Mental Load reichen auch weit ins Berufsleben: Knapp ein Fünftel der Befragten (18 %) war im letzten Jahr wegen Erschöpfung im Krankenstand (Frauen: 16 %), weitere 19 Prozent gaben an, eine Auszeit gebraucht, sie jedoch nicht in Anspruch genommen zu haben. 17 Prozent der Frauen schrauben zudem ihre beruflichen Ambitionen zurück, um Familie und Haushalt zu bewältigen. Für ein Unternehmen wie BIPA, bei dem 98 Prozent der Mitarbeiter:innen Frauen sind – und von denen knapp zwei Drittel in Teilzeit arbeiten – sind das keine abstrakten Zahlen, sondern der Alltag der eigenen Belegschaft.
BIPA begegnet dieser Realität mit konkreten Maßnahmen: Führung in Teilzeit ist bereits ein etabliertes Modell, Feriencamps und zusätzliche Kinderbetreuung an Fenstertagen entlasten Eltern im Alltag, und ein strukturiertes Karenzmanagement stellt sicher, dass der Wiedereinstieg gelingt. Flexible Arbeitszeitmodelle sind zentraler Bestandteil des Personalkonzepts mit Fokus auf eine bedarfsorientierte Gestaltung für Mitarbeitende in allen Lebensphasen. Mit dem Projekt LeadHERship setzt REWE seit 2025 gezielt auf konkrete Maßnahmen zur Stärkung von Frauen in Führung – von maßgeschneiderten Entwicklungs- und Mentoringprogrammen über ein starkes Netzwerk bis hin zur nachhaltigen Verankerung einer chancengerechten und inklusiven Führungskultur im Unternehmen.
„Wir kennen die Realitäten unserer Mitarbeiterinnen, daher investieren wir seit Jahren in flexible Arbeitsmodelle, machen geteilte Führung möglich und bieten auch psychologischen Support in herausfordernden Lebensphasen. Als Arbeitgeberin sehen wir uns in der Verantwortung, Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu schaffen. Gleichzeitig müssen wir über Mental Load und wozu er führt, offen diskutieren – und genau das wollen wir mit „Ehrlich gesagt“ erreichen. Die Studie war der Anfang, denn nur was man messen kann, kann man auch verändern“, so Margit Reisinger.
Vertiefende Einblicke zum Thema Frauengesundheit und Mental Load bietet der
„Ehrlich gesagt"-Podcast von BIPA mit Christl Clear, erfolgreicher Influencerin, Podcasterin, Autorin und Unternehmerin, der im Mai 2026 gestartet und auf
Spotify und
YouTube verfügbar ist.
*Über die Studie: Für die Studie wurden im Mai 2026 insgesamt 1.579 Personen in Österreich im Alter zwischen 16 und 75 Jahren befragt. Die Befragung erfolgte als CAWI-Erhebung, die Umfrage ist repräsentativ für die österreichische Bevölkerung. Durchgeführt wurde sie vom Online-Marktforschungsinstitut Marketagent.
Über die Initiative „Ehrlich gesagt":
„Ehrlich gesagt“ ist eine Initiative der österreichischen Drogeriekette BIPA, die frauenspezifische (Gesundheits-)Themen in den breiten, öffentlichen Diskurs tragen will. Ganz bewusst werden deshalb nicht nur Frauen, sondern auch Männer angesprochen, denn Frauenthemen gehen alle an. Die Kampagne will nicht belehren oder provozieren, sondern vielmehr diskutieren und gemeinsam Lösungen finden und Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gibt es auf den BIPA-Kanälen verstärkt Informationen zu Themen wie Frauengesundheit, Mental Load, Selbstbewusstsein und Empowerment sowie mentaler Gesundheit oder auch der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Neben einer Website, wo zahlreiche Expertinnen zu diesen Themen zu Wort kommen, und dem „Ehrlich gesagt“-Podcast mit Christl Clear, finden auch Webinare und Workshops für Mitarbeiter:innen und Kund:innen statt. In Zukunft sind verstärkt Community Angebote geplant. Weitere Informationen:
www.bipa.at/cp/ehrlichgesagt